Hyaluron oder Botox Hyaluron oder Botox im direkten Vergleich

Produktvergleich zuletzt aktualisiert am 02.10.2020
Autor: Dr. Annika Mix
Datum: 02.10.2020
Lesezeit: 7:28 min

Lange Zeit war Botox das Mittel der Wahl, wenn es darum ging Falten weg zu spritzen. Doch auch Hyaluronsäure wird immer häufiger verwendet, manchmal sogar eine Kombination aus beiden Präparaten. Worin sie sich unterscheiden und wie sie genau wirken erfahren Sie hier.

Botox und Hyaluronsäure lassen beide nachweislich Falten verschwinden, wenn sie an entsprechender Stelle unter die Haut injiziert werden. Dabei handelt es sich um grundlegend unterschiedliche Substanzen, die das gewünschte kosmetische Ziel auf verschiedenen Wegen erreichen. Viele Dermatologen, die sich auf kosmetische Faltenbehandlung spezialisiert haben, verwenden sowohl Hyaluron als auch Botox zur Faltenunterspritzung. Doch welches Präparat ist in welchem Fall das richtige und wann ist eine Kombination sinnvoll?

Botox zur Behandlung von Mimikfalten

Bei Botox handelt es sich um ein Nervengift, das von dem Bakteriums Clostridium botulinum hergestellt wird und schon in geringer Dosis für den Menschen tödlich ist. Dieses Bakterium vermehrt sich in verwesendem tierischen Gewebe und in schlecht konserviertem Fleisch. Der Begriff Botox ist ein Handelsname, die korrekte Bezeichnung lautet Botulinumtoxin.

Botulinumtoxin bindet spezifisch die Synapsen von Neuronen, die Acetylcholin ausschütten. Dabei handelt es sich typischerweise um die sogenannte motorische Endplatte. Das ist das Verbindungsstück zwischen einer Nervenzelle und einer Muskelzelle. Wenn die Muskelzelle kontrahieren soll, schüttet die Nervenzelle an der motorischen Endplatte Acetylcholin aus. Dieses wird von der Muskelzelle erkannt und setzt eine Kaskade in Gang, die dafür sorgt, dass sich der entsprechende Muskel zusammen zieht. Botulinumtoxin dringt nach der Bindung an die Nervenzelle mit einer kleinen Untereinheit in diese Zelle ein und verhindert dort für eine Lange Zeitspanne die Ausschüttung von Acetylcholin. Somit kann an dieser Stelle keine Muskelkontraktion mehr stattfinden.

Die ausbleibende muskuläre Kontrolle wird vom Körper durch die Ausbildung von neuen motorischen Endplatten bekämpft. Dabei wachsen neue Seitenarme aus dem Axon der betroffenen Nervenzelle und bilden neue Kontaktstelen mit der gelähmten Muskulatur. Dieser Prozess benötigt mehrere Wochen. Erst nachdem die neuen motorischen Endplatten die Funktion übernommen haben, löst sich das Nervengift aus der ursprünglichen Synapse, so dass auch hier wieder eine ungehinderte Signalweiterleitung stattfinden kann.

Eine systemische Vergiftung mit Botulinumtoxin, auch Botulismus genannt, führt nach diesem Wirkmechanismus innerhalb von wenigen Stunden zu unterschiedlichen Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, sowie Schluck-, Sprech- und Sehstörungen. Wenn die Vergiftung nicht medizinisch behandelt wird tritt nicht selten innerhalb weniger Tage der Tod durch Atemlähmung ein. Schon der Verdacht auf Botulismus ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldepflichtig. Laut Robert Koch Institut erkranken in Deutschland jährlich bis zu 24 Menschen an Botulismus. Der absolute Großteil ist auf eine Lebensmittelvergiftung zurückzuführen, bei einigen wenigen ist eine Wundinfektion die Ursache. Kosmetischen Behandlungen spielen hier keine Rolle.

Beim Einsatz in der kosmetischen Chirurgie wird genau dieser muskellähmende Effekt mit minimaler Dosis punktuell genutzt, um gegen Mimikfalten vorgehen zu können. Dabei handelt es sich um Falten, die aus Bewegungen resultieren. Typischerweise sind das solche an der Stirn, zwischen oder neben den Augen. Aus diesem Grunde erfolgt der Einsatz von Botox in den meisten Fällen im oberen Gesichtsdrittel. Besonders die sogenannte Zornesfalte zwischen den Augen kann sich mit den Jahren im Zuge der natürlichen Mimik des Gesichtes immer mehr vertiefen, wodurch oft einen unfreundlicher, strenger, böser Gesichtsausdruck entstehen kann. Viele Betroffene, vor allem Frauen, lassen sich deshalb immer häufiger kosmetisch behandeln.

Hierfür wird das Nervengift mit einer sehr dünnen Nadel im Abstand von wenigen Millimetern direkt in die Muskulatur knapp unter der Haut gespritzt. Die Folge dieser Injektion ist eine Schwächung der entsprechenden Muskulatur. Dadurch bekommt die Haut die Gelegenheit, sich zu erholen. Der reduzierte Muskelzug sorgt außerdem dafür, dass sich die Kollagenfasern in der Haut neu ausrichten und so die Falten verschwinden lassen. Diese gewünschte Wirkung setzt in der Regel 24 bis 72 Stunden nach der Injektion ein und entfaltet sich vollständig nach 2 Wochen. Insgesamt hält sie für etwa 3-6 Monate an. Für eine länger anhaltende Wirkung muss die Behandlung regelmäßig wiederholt werden.

Risiken und Nebenwirkungen einer Botoxbehandlung

Auch wenn Botox bei einer Faltenunterspritzung in minimalen Dosierungen achtsam verwendet wird, kommt es in wenigen Fällen zu Nebenwirkungen und Komplikationen. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass die Wirkung nicht sofort, sondern mit etwa 24 stündiger Verzögerung einsetzt, dann aber Monate lang anhalten kann. So kann es zu einer leichten Überdosierung kommen, die sich erst nach Tagen bemerkbar macht und für einen Teil der Nebenwirkungen verantwortlich ist.

Eine Nebenwirkung bei subkutaner oder intramuskulärer Injektion von Botox im Bereich der Augen ist die sogenannte Ptosis. Dabei handelt es sich um eine Erschlaffung des Augenlides, die ein- oder beidseitig auftreten kann. Ebenfalls können vorübergehende Muskelschwäche, Mundtrockenheit oder Störungen der Schärferegulierung des Auges beobachtet werden. An der Injektionsstelle kann es, völlig unabhängig vom Botox, zu Hämatomen oder lokalen Schmerzen kommen, die von der mechanischen Verletzung der Haut resultieren. In den Medien wird auch häufig von einem Verlust der Mimik berichtet, da Großteile der Gesichtsmuskulatur gelähmt werden. Dabei handelt es sich allerdings zumeist um prominente Randerscheinungen, denn eine Verzerrung der individuellen Mimik ist nicht das Ziel einer Faltenbehandlung mit Botox.

Sollte es tatsächlich zu einer stark eingeschränkten Mimik kommen, kann dies auch emotionale Folgen haben. Mit unserer Mimik spiegeln wir unbewusst die Mimik und damit die Emotionen unseres Gegenübers wider. Durch die Position der Muskulatur werden dann Signale direkt in den Mandelkern im Gehirn weitergeleitet, der für Emotionen zuständig ist. Auf diese Weise kann der Mensch Emotionen anderer Personen unbewusst nachspielen und dadurch auch nachempfinden. Eine durch Botox gelähmte Gesichtsmuskulatur kann diesen Feedbackmechanismus nicht aktivieren, wodurch verhindert wird, dass Emotionen anderer nachempfunden werden können. Die Fähigkeit zur Empathie wird also reduziert.

Um eine Überdosierung zu vermeiden, wird Botulinumtoxin zunächst sehr sparsam dosiert, um bei Folgeanwendungen eventuell noch Spiel nach oben zu haben. Auch die Anwendung in kleinen begrenzten Hautarealen birgt eher ein geringes Risiko. Durch diese Vorgehensweise werden die beschriebenen Nebenwirkungen viel seltener beobachtet, als noch vor 20 Jahren. Auch ist es natürlich von absoluter Wichtigkeit nur einen Facharzt eine derartige Injektion durchführen zu lassen.

Theoretisch kann es vorkommen, das Botulinumtoxin bei der Injektion versehentlich in die Blutbahn gerät. In einem solchen Fall müsste sofort ein Antiserum verabreicht werden, dass in jedem Krankenhaus vorrätig ist und das Nervengift unschädlich macht. Der Patient müsste in einem solchen Fall im Krankenhaus bleiben, bis das Botulinumtoxin neutralisiert ist und im Zweifel über die Zeit künstlich beatmet werden, da eine Lähmung der Atemmuskulatur eintreten könnte. Ein solcher Fall ist aber eher hypothetischer Natur und kommt in der Praxis im Grunde nicht vor. Dennoch muss sich jeder, der eine Botoxbehandlung an sich durchführen lassen möchte, darüber im klaren sein, dass eine solche Gefahr in der Theorie besteht.

Insgesamt sind die Risiken einer Botoxbehandlung nicht zu unterschätzen, allerdings treten Komplikationen aufgrund des umsichtigen Einsatzes durch Fachärzte sehr selten auf. Allergien sind keine bekannt.

Hyaluronsäure zur Behandlung von eingefallener Haut

Hyaluronsäure ist im Gegensatz zu dem Nervengift Botox ein körpereigener Stoff, der die Fähigkeit besitzt große Mengen Wasser zu binden. Sie befindet sich überall im Körper, vor allen Dingen in der Haut und dem Bindegewebe, wo sie für Formfestigkeit und Elastizität sorgt. Mit zunehmendem Alter reduziert sich die Kapazität der natürlichen Hyaluronsäure, während gleichzeitig die Haut, die über viele Jahre immer wieder gedehnt und gespannt wurde, erschlafft. Die Haut fällt ein und es bilden sich Falten.

Umgekehrt können diese Falten durch injizierte Hyaluronsäure auf relativ natürlichem Wege bekämpft werden. Die Substanz reichert sich unter der Haut an und verknüpft sich mit der körpereigenen Hyaluronsäure. Dadurch wird die Kapazität zur Wasserspeicherung stark erhöht, wodurch sich innerhalb kurzer Zeit mehr Wasser einlagert und die Falten an der Hautoberfläche glättet. Die Haut bekommt Elastizität und Spannkraft. Mit der Zeit, wird die injizierte Hyaluronsäure vom Körper abgebaut, weshalb die Behandlung für einen andauernden Effekt regelmäßig wiederholt werden muss. Die Wirkdauer ist von der Art der Hyaluronsäure abhängig und beträgt zwischen 6 bis 12 Monate.

Risiken und Nebenwirkungen einer Hyaluronsäurebehandlung

Da es sich bei Hyaluronsäure um eine körpereigene Substanz handelt, wird sie in der Regel gut vertragen und führt zu keinen biochemischen Nebenwirkungen. Die synthetisch hergestellte Form kann vom Körper nicht von der eigenen unterschieden werden und wird wie ein körpereigenes Molekül behandelt. Allergien sind keine bekannt.

Dennoch kann der Eingriff selbst zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Hierzu zählen Schmerzen an der Injektionsstelle, Blutergüsse oder eine unsaubere Verteilung unter der Haut, was zur Entstehung von Beulen führen kann. Eine Übersicht über die Nebenwirkungen von Hyaluronsäure in Abhängigkeit von der Art ihrer Anwendung finden Sie hier.

Fazit

Der Hauptunterschied zwischen den beiden Substanzen ist dieser: Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, Botox ein Nervengift. Beide führen auf unterschiedlichen Wegen zu einer Reduzierung von Falten und sind, bei sachgerechter Anwendung, gut verträglich. Wobei die Risiken von Botox ungleich größer sind. Botox wirkt in erster Linie gegen Mimikfalten, während Hyaluronsäure am besten gegen eingefallene Haut hilft. Aus diesem Grunde wird im oberen Gesichtsdrittel vermehrt Botox verwendet. Darunter bevorzugen die meisten Ärzte mittlerweile Hyaluronsäure. Die Präparate können außerdem sehr gut als Kombination verwendet werden. Während Botox die Ursache der Faltenbildung reduziert, kann Hyaluronsäure sie akut auffüllen. Im Gegensatz zu Hyaluronsäure wird Botox häufig bereits prophylaktisch angewendet, um Falten zu verhindern schon bevor sie entstehen.

Die Kosten für beide Präparate sind im Durchschnitt ähnlich, wobei Hyaluronsäure etwas teurer ist. Auch die Anwendungsintervalle sind vergleichbar. Suchen Sie sich in jedem Fall einen erfahrenen Hautarzt, der Sie vernünftig berät und kommunizieren Sie klar, welches Präparat Sie bevorzugen oder welche Bedenken Sie haben.

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